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Videomitschnitte Farm & Food 4.0 am 22. Januar 2018

"The good, the bad and the disruptive" - Erfolg durch Timing, Team und die richtige Idee

Daniel Krauss, FlixMobility GmbH

Daniel Krauss, der Gründer des Boom-Unternehmens FlixBus spannte den Bogen vom eigenen Unternehmen zu den Gemeinsamkeiten der Branchen Mobilität und Landwirtschaft. „Transparenz ist für die Mobilität und die Landwirtschaft wichtig“, sagte Krauss bei der Farm & Food 4.0 Konferenz in Berlin. Der Grund, warum die anderen Fernbus-Anbieter im Gegensatz zu Flixbus gescheitert sind, sei gewesen: „Die haben nicht drauf gehört, was der Kunde will“, so Krauss weiter. Der Landwirtschaft empfiehlt er für ihre Ausrichtung und ihre Öffentlichkeitsarbeit aktiv zu agieren statt nur zu reagieren. „Das ist der wichtigste Aufruf, der für alle Branchen gilt“, sagte Krauss.


Digital Farming @ Bayer: Technology for a better tomorrow

Dr. Helmut Schramm, Bayer CropScience Deutschland GmbH

Punktgenau im Pflanzenschutz

In naher Zukunft seien 10 Milliarden Menschen zu ernähren, fast ein Fünftel des Welt-Nahrungsgüterertrags sei durch den Klimawandel in Gefahr, und der Aufwand für die Herstellung neuer Pflanzenschutzmittel sei heute im Vergleich zu den 60er Jahren fast 15 Mal höher. Die große Chance der Digitalisierung im Pflanzenschutz sieht Schramm in der künftig wesentlich zielgenaueren und mengeneffizienteren Ausbringung chemischer Substanzen. Das senke die Kosten und beuge vor allem den zahlreichen Resistenzen vor. Praxislösungen würden durch sein Unternehmen 2018 eingeführt: Unter der Dachmarke „Xarvio“ werde es ein Scouting-Modul geben, das die Feldbestände erkundet, und einen Field Manager, der konkrete Anwendungsempfehlungen erarbeitet. So komme man dem Ziel, einen optimalen Pflanzenschutz auf jedem einzelnen Hektar zu realisieren, ein großes Stück näher.


Ensuring fair recognition of all stakeholders along the food production chain

Britt Kritzler, Connecting Food

Bringt die Digitalisierung einen Mehrwert für die Ernährungskette?

Es sei höchst wünschenswert, die Chancen dieser Verfahren für die Ernährungsbranche auszuloten, denn trotz guter Voraussetzungen stecke diese in der Krise. Landwirte würden in die Enge getrieben, Verbraucher seien verunsichert, Marken verlören ihren Wert. Das liegt aus Sicht von Kritzler vor allem daran, dass die Qualitäten heute ein kaum noch beherrschbares Maß an Komplexität haben. Es gehe nicht mehr nur um ein gutes Schnitzel, sondern es interessieren Herkunft und Produktion, Nährwert und Schadstofffreiheit. Solche komplexen Qualitäten erfordern eine komplexe Kontrolle, deren Ergebnisse jederzeit transparent sein müssen. Hier, so die Pariser Expertin, eröffne die Blockchain die Möglichkeit einer Produktzertifizierung in Echtzeit. Die Daten dazu müssten dezentral, aber einheitlich gekennzeichnet erfasst werden und direkt aus der Produktion kommen, um unsinnigen oder gar sabotierenden Eingaben vorzubeugen. Das bringe im Gegensatz zur zentralisierten Datennutzung Beschleunigung. Zudem würden sich Schwachstellen in Lieferkette und Zahlungsprozessen rasant aufspüren lassen. Letztlich sinken laut Kritzler die IT-Kosten der beteiligten Unternehmen. Das Verfahren werde aktuell bereits in einem zehn große Lebensmittelhersteller umfassenden Projekt erprobt.


Trends in Demand for, and investments in, AgTech and FoodTec innovations in the US & EU

Dr. Mila Kletsky, Picking Alpha

Risikokapital für junge Unternehmen

Ohne praktische Anwender können sich die erfundenen Technologien und Werkzeuge am Markt nicht durchsetzen. 2016 gingen die Venture Capital-Investitionen stark zurück, weil die Kapitalgeber nach massiven Investitionen in IT-Experten und Agrartechnologien in den Jahren davor hohe Verluste erlitten haben. Venture-Capital (Wagnis- oder Risikokapital) ist eine Investitionsform, bei der für den Investor ein enormes Risiko besteht, dass sein Geld keine Rendite einfährt oder komplett verloren geht. Es ist nicht mit einem Kredit vergleichbar, sondern mehr eine Form der Entwicklungshilfe für junge Unternehmen, Start-ups. Nach Angaben von Kletsky sind diese Verluste darauf zurückzuführen, dass zu viele neue Unternehmen versucht haben, die Agrarlandschaft mit digitalen Produkten zu durchdringen, obwohl sie zu wenig oder gar nichts über die Lebensmittelindustrie und die Bedürfnisse der Landwirte wussten. 2015 wurden Milliardensummen in sogenannte innovative Agrartechnik investiert, ohne die Meinung der Kunden einzuholen. Als Folge davon sind die Investitionen in reine Agrartechnik 2016 erheblich zurückgegangen. Die Wagniskapitalinvestitionen haben in den ersten drei Quartalen 2017 wieder ein hohes Wachstum verzeichnen können, vor allem im Food-Bereich und insbesondere im Dienstleistungsbereichen wie Internethandel, Online-Supermärkte und Lieferdienste. Anscheinend sind diese Bereiche viel besser erforscht worden bzw. die Bedürfnisse der Kunden wurden besser analysiert. Mehr Geld floss auch in die Entwicklung neuer Bewirtschaftungssysteme und in den Finanzsektor für Agrargüter inklusive Blockchains. Die Investitionen in Agrartechnik, Farmmanagementsysteme und Precision Farming sind auch 2017 weiter zurückgegangen. Einen richtigen Dämpfer haben die Investitionen in Biotechnologien erfahren. Kletsky führte als Grund die Angst der Menschen davor an. Sie empfahl abschließend den Start-ups, die Landwirte in den Entwicklungsprozess von digitalen, innovativen Produkten einzubinden, mit ihnen zusammenzuarbeiten, so wie es einige Unternehmen schon machen. Eine Alternative wäre, dass die Landwirte die Produkte selbst entwickeln, die sie benötigen und z. B. über Crowdfunding finanzieren.


Podiumsdiskussion – "Handel im Wandel" Digitalisierung des Handelsprozesses im Agrarbereich

Bei der Podiumsdiskussion in Berlin ging es um die Digitalisierung des Handelsprozesses im Agrarbereich. agrarheute-Chefredakteur Dr. Uwe Steffin moderierte die Diskussion mit Vertretern des Agrarhandels sowie Klaus Bürg, Geschäftsführer von Amazon Web Services. Dass das Überdenken der Geschäftsmodelle mühsam ist, wollte Klaus Bürg gern zugeben, doch es sei dem Handel nicht zu ersparen. Amazon werde sich jedenfalls keine Fesseln anlegen. „Wenn einmal Hunderttausende Bauern kommen und Dünger kaufen wollen, dann werden wir vielleicht welchen anbieten.“ Wie Agravis, BayWa, RWZ und Co. auf die Herausforderungen reagieren sehen Sie im Video.


Wie bringt man Mobilität und gutes, gesundes Essen in Einklang?

Helmut Ramsauer, SPINPARTNERS

Unterwegs mobil essen

Ramsauer präsentierte Konzepte, die zwar wie Science Fiction anmuteten, aber schon möglich sind. So soll man sich schon heute Pizza in den Zug liefern lassen können. Als Zukunftsvision hat er AVA vorgestellt. Das ist eine transportmittelübergreifende Plattform, die während der gesamten Reisezeit den Zugang zu den individuell gewünschten Lebensmitteln ermöglicht. Dynamische Routenplanung vereinfacht das Zusammenspiel zwischen dem individuellen Mobilitätssystem und der Nahrungsmittelkette. Das kann so weit gehen, dass das Hauptgericht im Zug und anschließend der Nachtisch im Bus serviert werden. Seiner Meinung nach werden Lebensmittel als Qualitätsmerkmal in Zukunft ein wichtiger Faktor bei der Reisewahl sein. Dazu gehören Echtzeit- Lieferservices und personalisierte Dienste. Dass das gar nicht so weit hergeholt ist, zeigen die Autohersteller BMW bzw. Mini und der Onlineshop Amazon ab Mitte 2018. Dann können deren Fahrzeuge mit dem Sprachassistenten Alexa ausgerüstet werden. Der Bestellung von Essen während der Fahrt per Internet steht damit nichts mehr im Wege.


Blick durch das Schlüsselloch in Richtung Zukunft

Dorothee Töreki, IBM Cognitive Solutions Group

Regionale Lebensmittelproduktion

Nur auf Basis von Daten und daraus abgeleiteten Programmen, die das künstliche Klima und die Nährstoffversorgung steuern, können Pflanzen aller Art in Gewächshäusern dezentral nah am Verbraucher gezüchtet werden. Wie weit die Zukunftsmusik gehen kann, zeigt das amerikanische MIT Media Lab. Dessen Open Agriculture Initiative denkt die Erzeugung von Nahrungsmitteln neu: Transparente Herstellung, Vernetzung der Menschen und deren Wissensaustausch und dezentraler Anbau. Dazu haben sie Food-Computer entwickelt, kleine Gewächshäuser, die ideale Bedingungen für gesunde, nährstoffreiche Nahrung bieten. Für jede Pflanzenart, die in diesen Hydrokultursystemen wachsen soll, stehen digitale Dosieranleitungen für Wasser und Nährstoffe sowie Regelprogramme zur Klima- und Lichtsteuerung zur Verfügung. Da Open-Source, kann jeder, der will, sich solch einen Food-Computer nachbauen. Die Anleitungen dazu stehen auf derWebseite des MIT Media Lab. Zusätzlich gibt es Schulungen und ein Forum zum Erfahrungsaustausch. Bislang liegt der Fokus bei der Produktion von Lebensmitteln auf niedrigen Kosten, Massenproduktion und Transportfähigkeit. Mit den Food-Computern könnte nach Ansicht von Töreki die Erzeugung von Lebensmitteln wieder dezentral in die Hände von Millionen Menschen gelangen. Die Rednerin forderte die Zuhörer auf, neue Wege zu gehen, statt Sackgassen zu sehen, den Technologien gegenüber offen zu sein.


Farm & Food 4.0 - Die Highlights der Veranstaltung 2018


Der jährliche Kongress Farm & Food 4.0 ging 2018 in die dritte Runde. Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche diskutierten am 22. Januar in Berlin renommierte Referenten vor rund 400 Teilnehmern über die digitale Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Das Motto des vom Deutschen Bauernverlag, Berlin, organsierten Kongresses lautete: „Mitten in der Revolution – Chancen suchen für die Wertschöpfung von morgen“.

Der kommende Kongress Farm & Food 4.0 findet am 21. Januar 2019 im bcc Berlin statt.